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Geschrieben von: Daeke
Übersetzt von: Flowergnome


Drogen hatte nie davon geträumt, einmal Dorvala zu verlassen. Nicht ganz zumindest. Er hatte davon geträumt, im Space Corp zu dienen, und den Planeten zu verlassen, um Feinde zu bekämpfen. Aber das war nicht dasselbe. Ganz und gar nicht dasselbe.

Kann Shogar mich hier hören, so weit entfernt? Werden die Drei Schwestern über mich wachen, auch wenn ich unter einem anderen Himmel wandele als dem ihren?

Der Raumhafen von Malva war ein geschäftiger Ort. Individuen fremder Rassen, die er nie zuvor gesehen hatte, gingen an ihm vorüber. Eine Kreatur hatte sich windende Tentakel an der Stelle, wo der Mund sein sollte, eine andere riesige Krebsscheren anstelle von Händen, andere hatte er irrtümlicherweise zuerst für Kinder gehalten, so klein waren sie. Er erkannte die reptilienartigen Mon'dabi aus Ghos Aufzeichnungen. Und er dachte, er hätte aus der Ferne einen der tierisch aussehenden Ackalianer gesehen. Malvaner sah er keine. Allerdings, so begann er zu erkennen, waren Ghos Aufzeichnungen alles andere als umfassend.

Es ware eine lange Reise gewesen. Auf viele Arten länger, als die eigentlich vergangene Zeit. Er war alleine auf dem Schiff gewesen mit nicht mehr als seinen Gedanken und den Aufzeichnungen von Wissenschaftler Gho. Er hoffte, dass sein Vater am Leben war. Er vertraute Rhega, dass sie ihr bestes tun würde; diesbezüglich fürchtete er sich nicht. Er machte sich nur Sorgen. Wieder und wieder ging er im Geist seine Zeit im Labor durch, den Unfall, alles, was Gho jemals zu ihm gesagt hatte. Es brachte ihn fast um den Verstand, bevor er damit aufhörte. Dies war die Zeit für ihn, sich um seine Zukunft zu kümmern. Und er hatte sich den Drei Schwestern verschrieben, was bedeutete, dass sein Leben von ihnen gelenkt werden würde und nicht von Shogar.

Er hatte Ghos Aufzeichnungen über die Legierung gelesen und festgestellt, dass Gho ihm auch Aufzeichnungen über Malva mitgegeben hatte. "Eine merkwürdige, dekadente Spezies. Malvaner haben eine goldene Hautfarbe, sind schlank und weit mehr an ihrem eigenen Vergnügen interessiert als an allem anderen. Sie sind flatterhaft und nicht vertrauenswürdig." Drogen schnaubte. Weniger vertrauenswürdig als Dorvalaner? Ghos Empfehlung war es, eine Arbeit auf einem Handelsschiff anzunehmen.

Er suchte sich seinen Weg zur Halle der Dienstleistungen. Sie war genau da, wo Gho es vorausgesagt hatte. Er brauchte nur hineingehen und man würde ihm einen Vertrag geben. Laut Gho würden sie sein Schiff für ihn verkaufen und den Erlös auf ein Konto einzahlen. Nachdem sie sich einen Anteil des Erlöses genommen hatten, natürlich. Aber das Konto würde zu seiner freien Verfügung stehen. Es war ein seltsamer Gedanke. Auf Dorvala versorgte das Imperium einen mit allem, was man brauchte. Die Kontrolle über seine eigenen Mittel zu haben war gleichzeitig berauschend und angsteinflößend.

"Gute Güte," eine äußerst gelangweilte Stimme weckte seine Aufmersamkeit. "Ein Dorvalaner inmitten des Raumhafens von Malva? Die Hölle muss gerade eben zugefroren sein."

Er drehte sich um und fand hinter sich jemanden, der ein Malvaner sein musste. Er trug einen bodenlangen schwarzen Mantel, der seine Größe betonte, und weiße Spitze, die an seinem Nacken und seinen Händen hervorschaute. Er besaß die gefiederten Augenbrauen aus Ghos Aufzeichnungen, die aber schwarz waren, nicht rot oder violett. Ebenso war sein schulterlanges Haar schwarz. Aber seine Haut war golden. Er trug violette gefärbte Linsen über seinen Augen.

"Ich falle angesichts eines solchen Novums bestimmt gleich in Ohnmacht." Er klappte seine violetten Linsen herunter; ein rotes und ein violettes Augen kamen zum Vorschein. "Und auch kein gewöhnlicher Dorvalaner. Ein metallischer?"

"Ich suche Arbeit," ließ Drogen ihn wissen und beließ es dabei.

"Natürlich. Und sprichst Du Malvanisch? Oder Ackalianisch? Venwordianisch?"

"Nein," antwortete Drogen. Nein. Er sprach keine Sprache außer Dorvalanisch.

"So. Dir ist klar, dass hier niemand Dorvalanisch spricht?"

"Sie schon," bemerkte er.

"Oh, gut erkannt. Ja, ich schon. Aber ich bin der einzige, und ich bin, wie Dir jeder bestätigen wird, eine Merkwürdigkeit in einer Spezies von Merkwürdigkeiten. Ich empfehle Dir, mein Freund, Dich zurück in dorvalanisches Gebiet zu begeben. Du wirst überall sonst furchtbar unglücklich sein. Dorvalaner passen nicht gut in andere Gesellschaften. Ihnen fehlt die nötige Flexibilität."

"Ich bin kein gewöhnlicher Dorvalaner," sagte er dem Mann. "Danke für Ihre Anteilnahme." Zeit, zur Halle der Dienstleistungen zu gehen. Sicher hatte irgend jemand Verwendung für ihn.

"Nun, es gibt immer noch die Arena der Gladiatoren," murmelte der Malvaner. "Du würdest dort bestimmt gut zurecht kommen, wenn Deine Muskeln auch nur eine Andeutung Deiner tatsächlichen Stärke sind."

"Danke für Ihre Anteilnahme," wiederholte Drogen, und drehte dem Mann den Rücken zu.

"Nun, solltest Du Dir Deine Entscheidung noch einmal überlegen, frag nach Tateklys in der Kantine der Reisenden. Du kannst sie nicht verfehlen. Es ist der einzige Ort hier mit einem malvanischen Barkeeper."

Drogen schaubte. Wenn alle Malvaner so waren, konnte er verstehen, warum. Wer will schon in eine Bar gehen, in der der Barkeeper nicht aufhört, zu reden.

In der Halle der Dienstleistungen war alles grau. Mattgraue Metallwände, mattgraue Schalter. Individuen in mattgrauen Uniformen. Vor einem Mann mit lavendelfarbener Haut in einer mattgrauen Uniform stand eine Warteschlange von Leuten, die mit ihm sprechen wollten. Warum, wunderte Drogen sich, sollte ein Bürokrat eine Uniform tragen?

Als er endlich an der Reihe war, begrüßte der lavendelfarbene Mann ihn in einer Sprache, die er nicht kannte.

"Entschuldigt," sagte er dem Mann, "ich bin Dorvalaner."

Der Mann furchte seine Brauen. "Do'valla?"

"Dorvalaner." Drogen verbeugte sich.

Der Mann knallte eine kleines Metallkästchen auf den Tisch und drückte einige Knöpfe. Er sprach wieder. Das Kästchen wiederholte mit einer leisen, blechernen Stimme auf Dorvalanisch "Angestellt auf welchem Schiff?"

"Ich arbeite auf keinem Schiff," antwortete Drogen. "Noch nicht."

Der Mann zog wieder die Brauen zusammen. "Herkunftshafen?"

"Ich komme von Dorvala."

"Militärdienst?" fragte er.

"Nein," antwortete Drogen. Besser, das Thema nicht zu erwähnen.

"Bekannte Sprachen?"

"Dorvalanisch."

Wieder die Augenbrauen.

"Ich habe allerdings ein eigenes Schiff, dass ich zu verkaufen wünsche. Wenn die Halle der Dienstleistungen meinen Vertrag..."

Das erregte immerhin ein wenig Interesse. Der lavendelfarbene Mann notierte die Registrierungsnummer des Schiffes und dessen Liegestelle und gab die Daten in sein Terminal ein.

"Wert des Schiffes," murmelte er, "1.000 Standards. Kosten für Sprachkurs, 540 Standards. Kosten für Grundausbildung auf einem Schiff, 800 Standards. Kosten für Vertragsverhandlung, 300 Standards. Deine Schulden, 640 Standards bei der Halle der Dienstleistungen. Dein gesamter Lohn für zwei Jahre geht an die Halle der Dienstleistungen. Unterbringung und Verpflegung werden gestellt."

"Moment," protestierte Drogen. Zwei Jahre unbezahlte Arbeit für die Halle der Dienstleistungen?

"Möchtest Du den Vertrag annehmen?"

"Kann ich eine Weile darüber nachdenken?" fragte er?

"Dieser Vertrag ist drei Stunden gültig." Der lavendelfarbene Mann gab ihm ein dünnes Blatt Plastik, auf dem die Vertragsbedingungen in Dorvalanisch geschrieben standen und in einer anderen, geschwungenen Schrift, die er noch nie gesehen hatte. "Komm innerhalb von drei Stunden wieder."

"Ich verstehe," sagte Drogen.

Und wurde augenblicklich ignoriert, als der lavendelfarbene Mann sich der orangehäutigen, schlangenartigen Kreatur hinter ihm zuwandte.

Zwei Jahre Knechtschaft für die Halle der Dienstleistungen? Ihm gefiel diese Idee ganz und gar nicht. Andererseits waren sie bereit, ihm die Sprache beizubringen. Und eine Grundausbildung. Dann wiederum hatten sie nicht gesagt, welche Art Grundausbildung. Bei allem, was er wusste, konnte er als Koch enden auf einem drittklassigen Kreuzfahrtschiff. Er seufzte. Es war keine falsche Wahl. Er wusste nur nicht, ob es die richtige Wahl war.

...Arena der Gladiatoren...

Er hatte von den Arenen der Gladiatoren auf Malva gehört. Wer nicht? Einige der besten jemals lebenden Kämpfer hatten in den Arenen gekämpft. Aber... In den Arenen ging es um Unterhaltung, darum, ein Spektakel zu inszenieren. Ihm schauderte; er war sich ganz sicher, nie wieder in seinem Leben ein Spektakel inszenieren zu wollen.

Und doch... Die Vorstellung, seine Kräfte mit einem gleichwertigen Gegner zu messen, war verführerisch. Er hatte keine Illusionen hinsichtlich seiner Fähigkeiten als Kämpfer. Er war in Handgemengen halbwegs brauchbar, verfügte aber über keinerlei Finesse. Die Legierung gab ihm einige Vorteile, aber an einem Ort wie Malva würde es andere mit ähnlichen Vorteilen geben, nicht wahr? Er würde verglichen mit seinen Konkurrente nicht so unfair stark sein.

Was würden die Drei Schwestern wollen? Sie waren Göttinnen des Weltraumes und der Sterne. Der Reisen und Abenteuer, zusätzlich zur Gnade. Vielleicht waren sie die einzigen Götter, die ihm hierhin folgen konnten. Shogar lebte im Herz des Planeten, umgeben von Feuer und Magma. Und Dorall'shans Sphäre wurde von Dorvalas Himmel begrenzt.

Er schaute erneut den Vertrag in seiner Hand an. Konnte es schaden, mit diesem Kerl zu reden? Tateklys?

Er nickte. Es war seine Pflicht, seine Möglichkeiten auszuloten. Er musste schließlich keinerlei Angebote annehen. Er musste nur erst einmal wissen, wie sie aussahen.

Mit diesem Gedanken machte er sich auf den Weg, die Kantine der Reisenden zu finden und diesen lästigen Malvaner.

Wird fortgesetzt...







Quelle:
Champions Online

Kategorie: Überlieferungen aus Champions, Sonstiges, Champions Online Universum

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